Erinnerungen archivieren – analoges Material (Dias)

Reisefotografie: Erinnerungen archivieren

Archivieren von analogem Material (Dias – Positivfilm)

Dia Kasten Archivierung

Dia Kasten Archivierung

Was aufheben, was wegwerfen? Das sind alles Erinnerungen. Die Bilder sind doch alle sehr schön. Und trennen will man sich von seinen Werken schon gar nicht. Nach welchen Gesichtspunkten soll man nun sortieren, dass man das gesuchte Dia im Bedarfsfall schnell wiederfindet. Aller Anfang ist mühsam. Und doch nicht schwer.

Diarahmung

Da liegen sie nun, die Ergebnisse des Urlaubs, der Fotoreise. Bevor es ans Betrachten geht, müssen die Bilder erst einmal gerahmt werden. So stellt sich die Frage mit oder ohne Glas.

Da herrscht ein alter Glaubenskrieg. Wer Vorträge in größerem Umfang hält, für denjenigen kommt nur Glas in Frage. Denn einem größeren Publikum ist es kaum zuzumuten, dass es ständig warten muss, bis sich das Bild endlich scharf gestellt hat, nur weil sich ein Dia durch die Lampenhitze unterschiedlich wölbt. Für den Hausgebrauch eignen sich am besten die CF-Rahmen.

Hinweis: Frisch nach dem Entwickeln enthalten die Dias noch eine gewisse Feuchte, weshalb man sie noch eine Woche austrocknen lassen sollte, bevor man sie rahmt.

Dia-Rahmen - CS-Rahmen

Dia-Rahmen – CS-Rahmen

Einen guten Diarahmen zu finden, der staubdicht ist, ein Dia „atmen“ lässt, ohne Newtonsche Ringe zu projizieren, ist unmöglich. (Diazubehör bei amazon ansehen)

Viele Hersteller versprechen dies zwar. Doch in einem staubdichten, demnach luftdichten Raum, kann ein Dia doch unmöglich noch gut durchlüften. Damit ein Dia nicht am Glas kleben bleibt, gar anfängt zu schwitzen, kann man zwischen Dia und Glaswand noch ein leicht gewelltes Diadeckblättchen einschieben. Diese Blättchen vermeiden zwar die Newtonschen Ringe, bei der Projektion an der Leinwand entstehende Farbringe, doch verringern sie gleichzeitig den Projektionskontrast. Hier ist es angebracht nur Diarähmchen mit sehr fein gewellten Anti-Newton-Glas zu verwenden oder diese ausschließlich im Bedarfsfall einsetzten. Bei letzterem würde der Nachteil, dass man jedes Staubkorn an der Leinwand sieht, zum Tragen kommen.

Sie merken schon, es kann nur Kompromisse geben. Bisher habe ich mich für die Lösung entschieden, lieber etwas Staub im Rahmen, dafür aber ein gut belüftetes Dia zu archivieren. Inzwischen verwende ich, im Zuge der Digitalisierung nur noch CS-Rahmen. Bei einem guten Beschnitt der Dias verrutscht es kaum, ist von beiden Seiten her offen, kann somit gut „atmen“ und springt nur gelegentlich. Sein größter Vorteil gegenüber allen anderen Rähmchen liegt in der Scanbarkeit und in seiner Langzeitarchivierung. Hierbei treten gegenüber den Glasrahmen kam Scanfehler auf. Diashows mit mehr als drei Projektoren, der Hitzeentwicklung wegen, sind mit den CS-Rahmen allerdings nicht mehr möglich, die Bilder würden dauernd unscharf, durch den ständig rotierenden Autofokus, erscheinen.

Analyse des Materials

Endlich kann gesichtet, ausgewertet, analysiert und einsortiert werden. Wer seine Werke bereits gerahmt aus dem Fotogeschäft geholt hat, kann bereits hier einsetzten. Wer vorerst seine Bilder selbst rahmte, hat bereits, die mit bloßem Auge als unscharf oder unbrauchbar betitelten Dias, entsorgt.

Urteilen Sie hart, denn mit den Jahren sammelt sich ein ganz beträchtlicher Berg Bilder an. Fragen sie sich am besten, zu welchem Zweck sie fotografieren. Um einen Urlaub im Familienkreis zu illustrieren, genügen gute 200 Dias für die einfachste Projektionsweise. Wer professionell fotografiert, benötigt vielleicht 1000 sehr gute Dias. Wer wissenschaftlich arbeitet sicher ebenso viele. Wenn Sie allerdings zu den Stockfotografen zählen, benötigen sie ein vielfaches mehr. Während noch vor zehn Jahren 20000 Dias genügten, um einen brauchbaren Jahresverdienst zu erwirtschaften, benötigt man heute im Zuge des Preisverfalls für Bildmaterial beinah 100000 Dias. Die Frage der Kostendeckung ist ein anderes Thema und würde an dieser Stelle zu weit führen.

Für die folgenden Arbeiten benötigen Sie einen möglichst großen Leuchttisch. Bisher habe ich noch keinen passenden auf dem Markt gefunden, selbst nicht im Fotofachhandel. Die dort angebotenen Leuchttische sind entweder zu klein, geben ein gelbliches Licht ab, sind zu dunkel beleuchtet oder meist zu teuer. Sie bemerken schon, ähnlich der Diarähmchenfindung. Doch hier gibt es eine Lösung und diese heißt: Bauen wir selbst.

Dia Kasten ArchivierungDiakasten: Material – zwei Leuchtstofflampen (Typ: Tageslicht) mit seitlich liegendem Kippschalter, ca. 1 m lang, zu bekommen im Fachhandel oder in Baumärkten, eine Opalglasscheibe (Mattglas), ca. 1,06 m x 0,50 m, Länge der Leuchtstoffröhre anpassen und 6 cm zugeben, beim Glaser zuschneiden lassen. Dann bauen sie einen Holzkasten von ca. 20 cm Höhe. Der Boden hat die Maße der Mattglasscheibe, die Randhölzer werden darauf befestigt, nachdem Sie aller 10 cm, Löcher von 3 – 4 cm Durchmesser, in Zweierreihe hinein gebohrt haben, der späteren Hitzeentwicklung wegen. Mattglasscheibe mit UV-Lack, im Fotohandel erhältlich, dick auf der zu den Leuchtstoffröhren gewandten Seite einsprühen. Als Ersatz kann man auch eine UV-Folie nehmen. Glasscheibe auf den Kasten legen, Strom anschließen und fertig ist Ihr Leuchtkasten. (bei Diakästen bei amazon ansehen)

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Haben wir nun so ein Ding stehen, kann es losgehen. Profis kaufen sich für die weiteren Arbeiten noch eine 6- oder 10fach-Dialupe. Dies ist aber nicht notwendig, zumal sie nach stundenlangen Arbeiten ganz schön die Augen anstrengen. Ich habe mir zur Gewohnheit gemacht, wenn ich bei bloßem betrachten auf dem Leuchttisch unsicher bin, weiterverarbeiten oder wegwerfen, das Dia in den Diaprojektor zu stecken und zu projizieren. Gut ist dafür ein Einzelbild-Projektor mit einer Hausglühbirne, die man häufig aus und einschalten kann, ohne Schaden zu nehmen.

Spätestens jetzt sollte man sich klar sein, wonach man sortiert. Ein Food-Fotograf sortiert nach Rezepten, Gerichten, Gemüse, Obst etc., ein Lifestyle-Fotograf nach Situationen, Frauen, Männern, Kindern etc. und ein Reisefotograf nach Ländern, dazu im nächsten Abschnitt: Archivierung vom Dia.

Zu jeder Reise habe ich ein Fotobuch, dort trage ich nicht nur ein, was, wo und wann ich fotografierte, sondern auch, nur bei schwierigen und unsicheren Gegebenheiten, die Belichtungszeit, die Blende, Blitz, wenn verwendet und welches Objektiv ich benutzte. So kann ich später meine Arbeiten verbessern, da ich mir jetzt Notizen zum Resultat anfertige.

Der erste Blick gilt demnach der Belichtung. Stimmt sie? Zu hell? Zu dunkel? Ist das Bild scharf. Stimmen die Farben. Ich frage mich bei jedem Bild, ist es auch beim Betrachten nach Jahren nicht langweilig? Wenn ich ohne zu zögern mit „ja“ antworten kann, fliegt es in den Papierkorb. Auf diese Weise reduziert sich der Diaberg beträchtlich. Sie werden merken, bei dieser Methode schärfen Sie ihren fotografischen Verstand beträchtlich. Sie werden in Zukunft bewusster fotografieren und immer weniger aussortieren müssen. Ein gewisser Rest bleibt allerdings immer.

Als zweiten Schritt bewerten Sie Ihre Motive. Hierbei werden Sie vielleicht feststellen, dass Sie zu oft oder gar zu wenig Ihr Weitwinkel-, Tele- oder Makro-Objektiv eingesetzt haben. Sie haben es vielleicht versäumt, abwechslungsreich zu fotografieren, zu viele Landschaften, zu wenig Details und Portraits, zu wenig Landestypisches oder Regionales. Schreiben Sie sich Ihre Schwachstellen auf und Sie werden bessere, abwechslungsreichere Vorträge zusammenstellen, welche Sie sich auch nach Jahren mit verzücken ansehen.

Nun, welche Motive sollen noch aussortiert werden? Alle unter- bzw. überbelichteten Motive, alle misslungenen und nichtssagende Bilder, Aufnahmen, welche Ihnen auch keinen Erinnerungswert vermitteln.

Von mehrfach fotografierten Motiven heben Sie lediglich zwei Bilder auf. Unter die zweite Wahl werden diejenigen Bilder aufgenommen, wovon Sie sich noch nicht trennen mögen. Diese Bilder schauen Sie sich noch einmal nach zwei bis drei Wochen an. Zu diesem Zeitpunkt haben Sie etwas Abstand gewonnen, und das Wegwerfen fällt leichter. Denken Sie daran, was danach übrig bleibt, lässt jedes zweit- oder drittklassige Dia schnell vergessen. Sie können nur gewinnen.

Archivierung vom Dia

Dia-Schneideautomat

Dia-Schneideautomat

Für mich besitzt ein Dia erst einmal einen ideellen und an zweiter Stelle einen materiellen Wert. Erst ein Archiv macht es möglich, wertvolle, unwiederbringliche Aufnahmen, ja Zeitzeugenberichte aufzubewahren. Ein Archiv führt uns vor Augen, was das menschliche Gehirn zwar nicht vergisst, doch so in unseren Zellen ablegt, dass wir es in unseren Erinnerungen nicht oder nur verfälscht wiederfinden. Ein Archiv dient dazu gesuchte Fotos, sei es für einen Dia-Vortrag oder anderes, schnell wiederzufinden. Es sei denn, man gehört zu jener Sorte Mensch, denen die Geduld nicht verloren geht, wenn er stunden-, gar tagelang in diversen Schuhkartons wühlt und dann doch nicht das richtige Dia findet. Zum anderen dient mir ein Fotoarchiv dazu, mich vor einer neuen Reise wieder einzustimmen, mir Anregungen zu holen oder mir Aufschluss über Lücken zu bestimmten Motiven zu geben.

Ein Archiv muss vor allem praktikabel sein. Es muss zu Ihren Ansprüchen und Bedürfnissen passen. Je häufiger sie mit ihm arbeiten, desto differenzierter wird es werden. Verschachteln Sie es jedoch nicht zu tief. Dabei würden sich schnell Sortierfehler einschleichen, d. h. nur so tief, wie Sie mit einem Blick erfassen können. Als Richtlinie sei die Zahl 7 genannt. Bis zu dieser Schachteltiefe kann das menschliche Gehirn alles in einer Sekunde erfassen und verarbeiten.

Archivierungsmethoden gibt es viele, weshalb ich mich hier auf meine zwei Methoden beschränken möchte. Diese zeigen gleichzeitig die Grundlage eines Archivs und können entsprechend erweitert werden.

Zur Langzeitarchivierung eignen sich am besten CS-Diamagazine. Fotografiert wird auf Fujichrome Velvia 50 und Fujichrome Provia 400X. Mehr dazu unter backpacking Reise Fotografie Ausrüstung.

Dia Film Vorlage

Sortiersystem 1 (bis 1999):

  • Reisejahr 1
    • Reiseland 1
    • Reiseland 2
    • Etc.
  • Reisejahr 2
    • Reiseland 1
    • Reiseland 2
    • Etc.
  • etc.

Dieses Sortiersystem (1) ist besonders für den Anfänger- und Hobbyfotografen geeignet, da man es jederzeit, leicht nach Ländern und innerhalb der Länder nach Jahren (Sortiersystem 2) umsortieren kann. Dies ist von Vorteil, wenn man sein Archiv später doch vermarkten möchte oder es beachtlich anwächst.

Sortiersystem 2 (seit 1999 bis heute):

  • Russland
    • 2000
      • Moskau, Petersburg, Jekaterinburg, Irkutsk, Baikal, Transsibirische Eisenbahn, etc.
      • Privat
      • 2. Wahl
    • 2001
      • Wladiwostok, Ulan-Ude, Iwolginsk, Baikal, etc.
      • Privat
      • 2. Wahl
    • 2002
    • etc.
  • Mongolei
    • 2000
      • Ulan-Bataar, Tereldsh, etc.
      • Privat
      • 2. Wahl
    • 2001
      • Ulan-Bataar, Wüste Gobi, Karakorum, etc.
      • Privat
      • 2. Wahl
    • etc.
  • etc.

Zu jedem Jahr habe ich Kontaktabzüge (35 Abzüge auf einer DIN A4 Seite) in einem Ordner, nach der selben Sortierung abgelegt. So macht es das Suchen nach bestimmten Themenbildern leicht. Dias der 2. Wahl sortiere ich nicht in die CS-Diamagazine, sondern in DIN A4 Ordnerblätter aus weicher Spezialfolie mit Einstecktaschen. Diese Ordner sind ebenfalls nach Ländern, innerhalb der Länder nach Jahren geordnet.

Archivierung von Papierabzügen

Von einigen Bildern lasse ich Papierabzüge anfertigen. Diese sortiere ich in Pappkartons mit Register nach den selben Richtlinien wie die Dias. Der Papierbilderbestand dient mir vorwiegend dazu, wenn ich Bilder schnell zeigen möchte. Oder ich in ein bereits bereistes Land, Stadt, Gegend nochmals reisen möchte, daraus Papierbilder mitnehme, um zu zeigen oder zu verschenken, wenn ich jemanden Bekanntes wiedersehe, welcher damals auf dem Bild zu sehen ist.

Archivierung von s/w Filmmaterial

Wenn es sich um schwarzweiß Positivbilder handelt, sortiere ich diese mit bei den farbigen Dias ein. Handelt es sich um s/w Negativbilder so archiviere ich sie in DIN A4 Ordnerblättern, wobei jeder 4- oder 5-ferbildstreifen in eine Zeile geschoben wird. Die Kontaktabzüge sortiere ich in den selben Ordner wie die Kontaktabzüge der Dias.


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