Reisevorbereitung – Informationen finden und bewerten

Reisevorbereitung

Informationen im Internet und Reiseführer bewerten

Titel Reisevorbereitung Informationen beschaffen Jan Balster

Unsere Ansichten sind wie unsere Bedürfnisse verschieden, so unterscheiden sich auch unsere Beurteilungen zu stark voneinander. Der Backpacker mag es überwiegend »billig«, der Urlauber meist »alles inklusive«, der Flashpacker eher »bequem« und alle mögen es »sonnig.« Der Wanderer liebt die Berge, der Surfer die Wellen des Meeres, der Urlauber eher den Strand, der Bildungshungrige die Museen und der Umweltbewusste steigt eher in die Bahn oder den Bus. Alle suchen Informationen, am besten individuell zugeschnitten, passgenau für die Vorstellung unserer Traumreise. Wo finden wir sie, diese Informationen und wie können wir sie verarbeiten, sind sie uns nützlich.

Brauchbare Informationen bekommt man nur von Reisenden, die ähnlich gelagerte Interessen wie Sie haben.

Suchen im Internet

Im World Wide Web kann man theoretisch beinah zu allen Fragen eine Antwort finden. Das mag vorerst gut klingen, bedenken wir allerdings, eine Suchmaschine kann weder den Sinn erkennen, gar die Bedeutung für den Suchenden begreifen. Angezeigt wird alles, was am häufigsten angeklickt wurde. Zwar werden auch die Algorithmen der Suchmaschinen immer ausgereifter, dennoch basieren die Ergebnisse schlichtweg auf Popularität. Und die Fülle der Ergebnisse will erst gefiltert sein. Da bieten selbst Wikipedia-Einträge nur einen Einstieg.

So kann es beim Suchen einen Sinn ergeben, nicht nur die ersten 20 Suchergebnisse zu betrachten, sondern weiter zu klicken. Manchmal findet sich unter Suchergebnis 100 oder 1000 die richtige Antwort. Dort finden sich so manche Experten, die sich wenig um Suchmaschinenranking kümmern.

Nutzen Sie mehrere Suchmaschinen. Vergleichen Sie die Ergebnisse miteinander.

Weitere Suchquellen und Suchhilfen und Hinweise

Beim Suchen ist es wichtig die unterschiedlichen Schreibweisen eines Suchbegriffes zu kennen. Manchmal unterscheiden sich die Schreibweisen nur geringfügig durch ein oder zwei Buchstaben, in anderen Fällen hat sich eine falsche (historisch bedingt) oder die englische (z. Bsp.: Südostasien), französische (ehemalige französische Kolonien), spanische (südamerikanische und mittelamerikanische Kontinent), russisch (Mongolei, Finnland, Nordchina) etc. Schreibweise durchgesetzt. Hierzu ein paar Beispiele:

  • Äthiopien mit Ä oder E
  • Galizien mit c oder z
  • Jemen mit Y oder J
  • Kokosinseln mit C oder K
  • Qatar mit K oder Q
  • Феликс Эдмундович Дзержинский, der russische Berufsrevolutionär wurde in Polen geboren, weshalb es eine Transkription in lateinischer Schrift gibt: Feliks Dzierżyński (russ.: Dserschinskij)
  • Historisch gewachsen ist die Übertragung von Dschingis Khan (auch Tschingis Khan, Chingis Khaan, mong. Чингис хаан, eigtl. Temüdschin, mong. Тэмүжин, Тэмүүжин). Чингис хаан als Chingis Khaan richtig übertragen, wird die falsche, aber übliche Variante »Dschingis Khan« außerhalb der Mongolei verwendet.
  • mehrere Verwendungen finden sich beispielsweise beim russischen Schriftsteller Anton Pavlovič Čechov (im westeuropäischen Raum verbreitet) oder Anton Pawlowitsch Tschechow (im osteuropäischen Raum verbreitet)
  • Myanmar alte Staatsbezeichnung Birma
  • Namibia alte Bezeichnung Südwestafrika
  • auseinander gefallene Staaten, wie Jugoslawien: heute Serbien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Kosovo, Slowenien oder CSSR (Tschechoslowakei): heute Slowakei und Tschechien

Antiquariate: hier findet man gebrauchte und oder vergriffene Bücher

Ausrüster (Geschäfte / Läden): hier findet sich alles, was zu einer Reiseausrüstung sinnvoll und oder nutzlos ist. In gute Ausrüster verfügen die Verkäufer selbst über Reiseerfahrung.

Banken: hier findet sich Wissenswertes über Standorte von Banken und Geldautomaten, zu Wechselkursen und Geldtransfers etc.

Behörden: für jedes Anliegen findet sich eine Behörde

Bibliotheken: KVK Karlsruher Virtueller Katalog des Institutes für Technologie, Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig und Frankfurt am Main, Deutsche Digitale Bibliothek. Dazu gibt es eine ganze Reihe an Spezialbibliotheken (z. Bsp: Osteuropa in der Staatsbibliothek zu Berlin, Geografie und Völkerkunde in der zlb. Beim Berufsverband Information Bibliothek e.V. können Sie nach Spezialbibliotheken suchen.

Fahrpläne: für Busse und Bahnen (Reisen mit Bus und Bahn, Informationen unter bahn.de)

Fluggesellschaften / Airlines: hier kann man sich über Entfernungen, Flugzeiten und Verbindungen informieren (flugbuchung.com)

Weitere Quellen und Suchbegriffe: Automobilclubs, Museen, Routenplaner, Verbraucherschutz / Versicherungen (Auslandskrankenversicherung), Visa-Agenturen, Wörterbücher

Informationen filtern und bewerten

Gerade im Zeitalter des Internets stürzen auf uns eine Unmenge, vor allem unsortierte Informationen ein. Es ist kaum zu glauben, beinah jeder dieser Informanten titelt uns vor, nur er habe die Wahrheit, von einzigartig bis ultimativ ist alles geboten. Doch wie spüren wir sie auf, diese Wahrheit, wenn es selbst namhaften Institutionen passiert, einer vermeintlich seriösen Quelle Glauben geschenkt zu haben. Die Wahrheit selbst, wissen und kennen wir erst dann, wenn wir Situationen selbst erlebt haben, sie sachlich, unvoreingenommen, ohne uns selbst zu belügen, betrachten. Ich gebe zu, es ist schwer.

Natürlich können wir uns vornehmen, gezielt jeder Information auszuweichen und uns ausschließlich auf eigene Erfahrungen und Erlebnisse verlassen. Wir bauen also auf unsere Neugier und unseren Instinkt. Das dauert länger, wir brauchen mehr Zeit, zudem kommen einige Risiken hinzu. Wir können zwar dennoch auf unserer Reise das tun, was nicht alle unternehmen. Ohne eigene Erfahrung könnte dieses Unterfangen leicht im Leichtsinn enden. Deshalb fragen wir uns besser vor einer Reise, wollen wir uns wirklich diesem Anfangsstress aussetzen.

Deswegen beschränke ich mich in diesem Artikel Verweise anzugeben, welche zu Beginn einer jeden Informationssuche nicht nur für eine Reise nützlich sind. Vielmehr möchte ich auf meine Methode zur Bewertung von Informationen eingehen. Sie ist rational und erfordert klare Entscheidungen. Wovon ich nur dann abweiche, wenn ich etwas ganz neues Entdecken möchte. (Welcher Landstrich auf unserer Erde ist noch unentdeckt?) Das hat aber nichts damit zu tun, wenn ich mich vor Ort spontan auf andere Dinge einlasse, als ich vorher geplant habe.

Zurück zur rationalen Recherche von Informationen. Ich prüfe in drei Gruppen: richtige Technik der Fragen, Kriterien zum Informationsgehalt und wie zu verlässlich sind die mir vorliegenden Information.

Fragetechnik
  • keine geschlossenen Fragen, keine Phrasen oder rhetorische, bzw. strategische Fragen
  • Alternativfragen vermeiden
  • lineare Fragen zur eigenen Orientierung, bzw. zirkuläre Fragen zur Vertiefung des Wissensumfeldes
  • offene Fragen: Was? Wer? Wo? Wann? Wie?
  • beim Nachfragen: Warum?
  • bei Unverständnis immer nachfragen, auf klare Antworten bestehen, besonders, wenn wir unterwegs fragen, ein Unverständnis klar zum Ausdruck bringen
  • unterwegs auch auf die Gesten (sind selbst in unseren Breiten vielschichtig) des Antwortenden achten
  • Unterwegs keine Karten oder Reiseführer vorzeigen, der Antwortende wird zu sehr abgelenkt oder passt seine Antwort gar der Karte oder dem Reiseführer an. Auch wir Reisenden werden leicht zu geschlossenen Fragen verleitet.
  • unterwegs mindestens drei Personen fragen und Antworten vergleichen. Bei Uneindeutigkeit nochmals fragen. Den Befragten immer erst außer Reichweite gehen lassen, bevor der nächste Passant gefragt wird.

Reisender: »Wenn ich hier geradeaus gehe, befindet sich dort der Bahnhof?«

Einheimischer: »Ja, auch wenn Sie hier nicht geradeaus gehen, befindet sich dort der Bahnhof.« (kann passieren…)

Bewertungsportale – kaum verlässlichen Helfer

Was wären wir ohne unsere Vergleichsportale? Stundenlanges suchen und klicken ohne ein echtes Ergebnis, dies würde einfach wegfallen. Bedenken wir, in erster Linie sind Vergleichsportale und Bewertungsportale (siehe FAZ vom 5.12.2018 und HR-Fernsehen vom 13.2.2019) profitorientierte Unternehmen. Sie verdienen nicht nur daran, dass Firmen »gepflegte« Premium-Accounts, Benutzerkonten, bei ihnen unterhalten, sondern auch daran, dass möglichst viele Menschen ihre »Meinung« in Form eines »Sternchens«, Klicks hinterlassen, dies wiederum zeigt Bewegung, vor allem Akzeptanz und »Glaubwürdigkeit« des Anbieters gegenüber dem Suchenden. Dazu kommt, dieser Markt ist absolut unreguliert, wovor inzwischen Verbraucherschützer warnen und das Bundeskartellamt Handlungsbedarf sieht.

Wir lieben Bewertungsportale, schnell ein Stern geklickt, ach, geht es mir gut. Beim Bewerten vergöttern wir gern Portale, wo wir »nur« klicken, aber nichts dazu schreiben müssen. Dies machen sich wiederum Agenturen (Süddeutsche Zeitung vom 20.2.2018) zu nutze, welche »gute« Bewertungen gegen Bezahlung (ARD plusminus vom 7.11.2018) verkaufen.

Woran beim Vergleichen denken?
  • Prüft der Inhalteanbieter eingehende Bewertungen im Double-Opt-In Verfahren (Verifizierung der Email-Adresse) ab? Gleichfalls helfen auch Verifizierungen von sozialen Netzwerken (Linkedin, Xing, Twitter, Facebook etc.)
  • Steht der Bewertende zu seiner Meinung. Werden Trash-Email-Adressen etc. verwendet. Ist der Bewertende genau zu erkennen (Vorname und oder Nachname).
  • Ein gutes Zeichen für echte Bewertungen liegt vor, wenn die Profilinhaber erhaltene Bewertungen selbst freigeben können und auf dem Portal keine externen Bewertungsquellen ohne echten Kauf zugelassen werden.
  • Verlassen Sie sich nicht auf einzelne Bewertungen, ca. 1/3 dieser Bewertungen sind bezahlt und oder gefälscht. Fallen Bewertungen auf verschiedenen Portalen unterschiedlich aus, stimmt etwas nicht.
  • Lesen Sie die Bewertung und die Beschreibung zum Produkt, Hotel, Campingplatz etc. genau. Fragen Sie sich, ob die Bewertung zur Sache gehört. Sind mehrere Sätze vorhanden und sind diese sachlich. Hier ein paar Beispiele zur Sinnfreiheit von Bewertungen.
  • Achten Sie auf Pauschalisierungen, extreme Lobgesänge oder gar das anpreisen von anderen, ähnlichen Produkten.
  • Befinden sich in der Bewertung werbliche Formulierungen (Superlative, Sätze wie »must have« oder »für jeden Fan ein muss« etc.
  • Gibt es viele positive Bewertungen innerhalb eines kurzen Zeitraumes
  • Haben Sie die Zeitpunkt des Mangels im Blick. Es kann durchaus passieren, dass ein Pool mal geschlossen wird, weil das Wasser getauscht wird. Besteht der Mangel tatsächlich heute noch?
  • Persönliche Meinungen sind immer subjektiv.

Am besten Sie schauen, so möglich und vorhanden, bei unabhängigen Testinstituten (Stiftung Warentest etc.) vorbei. Einen guten Hinweis hierzu gibt die Bundesregierung auf ihren Seiten.


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Zu Fuss von Dresden nach Dublin - 3100 Kilometer ohne Geld durch Europa

Usbekistan - Reportagen aus dem Land der Märchen

Sibirien - Reportagen aus Russland, dem Land der Sagen

„Mongolei“ – Reportagen aus dem Land der Mythen

 

Informationsgehalt prüfen

Da wir unser Wunschreiseland in den meisten Fällen wenig bis ungenau kennen, es sei denn, wir reisen oft, vielleicht jedes Jahr dort hin, ist die Überprüfung des Informationsgehaltes der Quelle ein schweres Unterfangen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Markt der Informationsverbreitung entscheidend verändert. Was vor allem am Internet und der Verbreitung des Wissens liegt. Wissen wird oft neu formatiert, neu designt und als etwas exklusives angeboten. Wirklich neues Wissen wird kaum geboten. (siehe Reiseführer prüfen) Hier gilt es vorab die Frage zu beantworten, wie lange sich der Experte bereits mit dem Thema beschäftigt. Denn inzwischen gibt es zum Beispiel kaum noch Auslandskorrespondenten, die länger als fünf Jahre im fremden Land leben und arbeiten. Hier lässt sich oft eine Sprungbrettkarriere ableiten, wenn wir uns die Profile der Wissensverbreiter ansehen. Dies mag bei kleineren und oder europäisch kultivierten Ländern vertretbar sein, doch bei großen, weltpolitisch bedeutenden Ländern ist dies unangemessen. So leisten wir uns im deutschen Sprachraum zum Beispiel kaum langjährige Korrespondenten für Zentralasien. Gründe dafür sollen hier nicht beleuchtet werden. Stellvertretend für ausgereiften und langjährigen Journalismus in der zentralasiatischen Region sei Edda Schlager genannt. Als Anlaufpunkt zum Wissensvergleich dienen spezielle Netzwerke wie: n-ost für den osteuropäischen und ehemaligen sowjetischen Raum, weltreporter-netzwerk Reporter weltweit, besonders Südasien, Europa und Naher Osten, journalists-network Verein oder das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv.

Verlässlichkeit der Informationen / Kunst der Recherche
  • Erscheinungs-, bzw. Veröffentlichungsdatum herausfinden, einige Autoren veröffentlichen auch den Redaktionsschluss oder den Reisezeitpunkt
  • Handlungsmöglichkeiten eröffnen (siehe Fragetechniken offene Fragen)
  • Quelle auf Vertrauen prüfen (Institutionen, staatliche Seiten, NGOs…) Hat sich der Schreiber bereits einen vertrauenswürdigen Namen gemacht?
  • Theorien und Vermutungen ausschließen
  • Nützen mir diese Informationen?

»The hotel was full of Spanish holidaymakers and they really got on our nerves because they were just so rude… The entertainment in the hotel was all focused and catered for the Spanish. Why can’t the Spanish go somewhere else for their holidays?« (englische Urlauberin über ein Hotel im spanischen Benidorm – Lancashire Telegraph)

  • keine Gerüchte, Vermutungen (soll, müsste, könnte, möge sein, vielleicht, eventuell…)
  • subjektive Phrasen ohne Begründung (meinen, möglicherweise, glauben…)
  • kein Rassismus, bzw. Vorurteile
  • keine Pauschalisierung
  • Informationen durch mehrere Quellen absichern
  • gewissenhaft prüfen
  • Wurde das Erlebte aus der Ferne (Zug, Auto etc.) oder Nähe (Fahrrad, zu Fuß etc.) beleuchtet?

Sie wollen einiges anders anpacken, diese Methode verfeinern oder neue Wege bestreiten. Als gute Einstieg bieten sich folgende Bücher an:

  • Haarkötter, Hektor; Die Kunst der Recherche; Herbert von Halem Verlag (bei amazon oder genialokal ansehen)
  • Lilienthal, Prof. Dr. Volker; Recherchieren; Herbert von Halem Verlag (bei amazon oder genialokal ansehen)
  • Brendel, Matthias; Richtig recherchieren; Frankfurter Allgemeine Buch (bei amazon oder genialokal ansehen)
  • Ludwig, Prof. Dr. Johannes; Investigatives Recherchieren; Herbert von Halem Verlag (bei amazon oder genialokal ansehen)
  • Haller, Michael; Methodisches Recherchieren; UTB GmbH (bei amazon oder genialokal ansehen)

Fragetechnik bei Wikipedia

Reiseführer bewerten

Natürlich gelten die obig genannten Ausführungen auch für die Auswahl eines nutzbringenden Reiseführers. Dennoch sollte der Suchende bei der Reiseführerrecherche auf ein paar zusätzliche Dinge achten.

Gegenüber der Netzsuche bietet ein Reiseführer in Buchform, wie beispielsweise auch Bibliotheken etc., den Vorteil, Wissen in einer Vorauswahl an. Allerdings hat sich auch der Markt des Reiseführers in den vergangenen zehn Jahren stark verändert. Dies liegt zum großen Teil an unserem Kaufverhalten, welches sich mit unseren Vorstellungen des Kaufpreises kaum vereinbaren lässt. Einerseits möchten wir einem top-aktuellen und für unser Traumziel zugeschnitten Reiseführer, andererseits kaufen wir nicht jedes Jahr einen neuen Reiseführer der gleichen Region. Darauf haben sich auch die Verlage eingestellt. Reisebuchverlage (z. Bsp. Velbinger) sind vom Markt verschwunden, wenige sind gewachsen und einer, MairDumont (u. a. die Reihe Marco Polo, Falk und ADAC Stadtpläne), kauft namhafte Marken (z. Bsp. Stefan Loose) zu. Gleichzeitige verändern Reisebuchverlage ihre Konzepte, zum Beispiel ging Lonely Planet von seinem reinem Backpacker– zum Flashpacker-Reiseführer über. Somit bekam auch diese Reihe wieder großflächige weiße Flecken auf der Landkarte. Für einige Regionen, ganze Länder gibt es bei ihnen keinen Reiseführer mehr. Vorerst sind nur diejenigen Orte und Länder betroffen, welche mit öffentlichen Verkehrsmitteln (das Taxi zählt nicht zu den Öffentlichen) nicht oder nicht mehr zu erreichen sind. Gleichzeitig werden zu beliebten, verkäuflichen Reiseregionen immer mehr Reiseführer auf den Markt geworfen. Vermeintlich ist dies nichts Schlechtes. Wenn allerdings ganze Textblöcke aus dem nächstgrößeren (teuren) Reiseführer des Verlages in einen kleineren gepresst werden, darauf 12,99 Euro gedruckt werden, ist dies nicht nur dreist. Es prellt in erster Linie den Autoren um seine Tantiemen und je weniger diese werden, desto schlechter muss er recherchieren.

Sofern es nur einen Reiseführer für eine Region gibt, fällt die Entscheidung leicht. Nehmen oder nicht? Nützt er mir etwas oder nicht? Um bei mehreren Reiseführern eine Vorauswahl zu treffen, können Sie folgende Punkte leicht prüfen:

  • Passt der Reisestil zu mir?
  • Wo liegt das finanzielle Niveau der Unterkünfte, Restaurants und Transportmittel? Letzteres ist nur eingeschränkt zu betrachten.
  • Wo liegen die Schwerpunkte zur Gestaltung der Freizeit? z. Bsp. Stand-, Wander-, Bildungsurlaub oder doch eher unterwegs mit Motorrad oder Auto, Ski-, Fahrrad- oder andere Sportaktivitäten oder doch Shopping
  • Spricht mich das Buch äußerlich an? Text- und Bildfaktor

Zu bedenken gilt hier, dass ein Reiseführer mit ganzjährigem Tourismus-Angebot in einem touristischen Hochgebiet, wie z. Bsp. Rom, Venedig, Paris, London, wesentlich leichter zu erstellen und zu recherchieren sind als Reiseführer in Regionen mit unterentwickeltem Tourismus und kurzer Reisesaison, wie z. Bsp. Sibirien. Dementsprechend sollte man seine Erwartungen anpassen.

Sobald ein Insidertipp veröffentlicht ist, ist er keiner mehr.

Etwas tiefer können wir dann des Reiseführers Nützlichkeit prüfen:

Aktualität: ist immer wichtig, auf den Redaktionsschluss achten

Ausstattung: welche Papierqualität wurde verwendet. Hochglanzpapier ist etwas für Bildbände. Inzwischen habe ich festgestellt, dass viele Verlage mehr in Ausstattung investieren als in Inhalte. Wegen mir muss ein Reiseführer kaum Bilder enthalten und kann gern auf holzhaltigem Papier gedruckt sein. Doch ein namhafter Reisebuchverleger sagte vor Jahren schon zu mir: »Kein Mensch kauft einen top recherchierten Reiseführer auf einer Klopapierrolle, eher den zusammengestoppelten Reiseführer auf Hochglanzpapier zum dreifachen Preis.«

Geheimtipps: ein sehr schwerer Begriff, wird eher als Hingucker verwendet, wir sind besser als die anderen. Stellen Sie sich einfach Ihren einsamen geheimen Lieblingsplatz vor. Wenn jetzt jeder davon wüsste, wäre dies jetzt immer noch Ihr Lieblingsplatz?

Handhabung: wie viel wiegt der Reiseführer, ist er handlich und kann gut verstaut werden.

Kartographie: sind die Karten übersichtlich, enthalten sie eine erklärende Legende und einen Maßstab.

Preis: darum streiten sich die Geister. Dabei kostet gute und flächendeckende Recherche Geld. Bei Reiseführern kann es deshalb kein »Schnäppchen« geben. Auf jeden Fall kann ein guter Reiseführer vor Ort viel Ärger verhindern.

Reisepraxis: informiert mich der Reiseführer über spezielle Verhaltenstipps im Zielland. Gibt es ausreichend Informationen zu Unterkünften und Verkehrsmitteln. Sind die Kategorien für mein Reisebudget vorhanden oder sind nur teure Hotels am Ende des Buches aufgelistet?

Sehenswürdigkeiten / Museen: werden sie nur aufgelistet oder sind auch Sehenswürdigkeiten für spezielle Interessen angegeben.

Suchhilfen: ist ein gut gegliedertes Inhaltsverzeichnis und ein Sachregister vorhanden.

Tiefe der Information: gibt es Alibikapitel, z. Bsp.: Geschichte als Zeittafel, Auflistung von Bäumen und oder Tieren etc. Werden Zusammenhänge klar dargestellt.

Vorbereitung: wird ausführlich informiert über Reisezeiten, Routen, Zeitbedarf, Visabeschaffung, Gesundheit etc. Sind die angegebenen Adressen etc. für die Erreichbarkeit von Botschaften etc. aktuell.

 

weiter: Wie und wo finde ich Informationen im Internet und Reiseführern?


 

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