Vietnam Reiseführer: Der Heilige Stuhl von Cao Dai

Das Zentrum des Caodaismus

Vietnam Reiseführer: Der Heilige Stuhl von Cao Dai

Vietnam - Cao Dai Tempel

Vietnam – Cao Dai Tempel

Ein wenig von allem, ein schöner Gedanke, ein wenig Konfuzianismus, ein bisschen Buddhismus, etwas Daoismus und römisch-katholische Kirche. Nur das gute einer jeden Religion und trotzdem eine Privatarmee bewaffnet bis an die Zähne. Sie vereinen Konfuzius wie Viktor Hugo, Jesus wie Jeanne d’Arc, Siddharta Gautama wie Churchill, Lao Dse wie Newton im Cao Dai. Das Leben einer religiösen Gemeinschaft zeigt sich nicht nur in ihren öffentlichen Zeremonien. Geeignet als Tagesausflug von Saigon mit Unterkunft in der Nähe des Heiligen Stuhls.

Ein wenig von allem, ein schöner Gedanke, ein wenig Konfuzianismus , ein bisschen Buddhismus, etwas Daoismus und römisch-katholische Kirche. Nur das gute einer jeden Religion und trotzdem eine Privatarmee bewaffnet bis an die Zähne. Sie vereinen Konfuzius wie Viktor Hugo, Jesus wie Jeanne d’Arc, Siddharta Gautama wie Churchill, Lao Dse wie Newton im Cao Dai. Das Leben einer religiösen Sekte zeigt sich nicht nur in ihren öffentlichen Zeremonien. Geeignet als Tagesausflug von Saigon mit Unterkunft in der Nähe des Heiligen Stuhls.

Zu Hochzeiten des Caodaismus hatte die Religionsgemeinschaft über vier Millionen Anhänger. Davon lebten allein 100000 auf dem Gelände des Heiligen Stuhls. Dieser wiederum bildete einen eigenen Staat in Vietnam mit eigener Verwaltung, eigenen Schulen, sogar eigener Armee. Heute vereint sie eine Schar von etwa 500000 Anhänger.

1927 wurde das Gebiet im Delta Tay Ninh zum Zentrum des Caodaismus erklärt. Zur gleichen Zeit begann man auf einem, mehr als 100 km² großen Gelände einen „Heiligen Stuhl“ zu errichten. Sein Bau dauerte beinah zehn Jahre an. Er zeigt eine Mischung aus Kathedrale, Pagode und Tempel.

Vietnam - Cao Dai TempelGleich im Vestibül am Haupteingang zeigt sich ein beeindruckendes Wandgemälde. Auf diesem sind Sun Yat Sen (1866 – 1925), den Gründer der chinesischen Republik, er gilt als Inbegriff des asiatischen Nationalismus – Trang Trinh (1492 – 1587), dem vietnamesischen Gelehrten und Dichter – und Viktor Hugo (1802 –1885). Viktor Hugo ist leicht am Dreispitz und der Uniform der Académie Francaise zu erkennen. Er schreibt mit seiner Feder die Worte: „Dieu et Humanité – Amour et Justice“ (Gott und Menschlichkeit – Liebe und Gerechtigkeit). Die Symbolfigur des Ostens, der Konfuzianer und Daoist  Trang Trinh zeichnet die selben Worte in chinesischen Zeichen daneben, während der asiatische Nationalist Sun Yat Sen beiden Schreibern den Tintenstein reicht.

Der Heilige Stuhl wird von strengem Symbolismus bestimmt. Das Kirchenschiff zeigt neun Ebenen, welche durch die gut positionierten Säulen verstärkt wirken. Jede dieser Ebenen entspricht einer Stufe zum Himmel, diese wiederum entsprechen den neun Rängen der höchsten Würdenträger. Das Schiff überwölbt ein himmelblaues mit Sternen aus Spiegelglas versetztes Dach. Getragen wird es von einer doppelten Zwölferreiche  von drachenumschlungenen Säulen. Am Ende, dem zentralsten Blickpunkt im Kirchenschiff befindet sich der Altar mit den sechs Stühlen für die Kardinäle und einem für den Papst an. Gleich dahinter schließt sich der achteckige Nordchor mit einer großen Weltkugel an. Hier wacht das alles sehende Auge über die Dinge der Welt. Von ihm, in einem Dreieck gezeichnet, gehen neun Strahlen aus. Dieses Auge ist das Symbol für Cao Dai, dem höchsten Wesen, welches als Schöpfer und gleichzeitig als Erlöser vergöttert wird.

Zeremonie

Vietnam - Cao Dai Tempel

Alle sechs Stunden, um 6, 12, 18 und 24 Uhr, findet eine Gebetszeremonie statt. Sie dauert genau eine Stunde. Während sich die Besucher und Gäste auf der Galerie einfinden, bleiben die unteren heiligen Hallen der Zeremonie vorbehalten.

Alles hat seine Ordnung, jeder seinen Platz, der Ablauf ist genau durchdacht und vorbestimmt. Während sich die Klänge, gespielt auf traditionellen vietnamesischen Instrumenten, des Orchesters im Kirchenschiff ausbreiten, betreten die Dienerinnen und Diener in ihren weißen Gewändern das Schiff. Die Dienerinnen nehmen links und die Diener rechts ihre Plätze ein. Das Mittelschiff sowie die frohen Farben bleiben den höheren Rängen vorbehalten. Es herrscht eine strenge Hierarchie. Anhand der Farbe der Gewänder kann leicht die Zugehörigkeit des Glaubens bestimmt werden, rot steht für Konfuzianismus, gelb für Buddhismus und blau für Daoismus.

Somit verkörpert jede Glaubensrichtung, jeder Vertreter bestimmte Aufgaben. Die Konfuzianer stehen für den Ritus und die Ordnung, die Buddhisten für die Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit und die Daoisten kümmern sich um die Erziehung und alle inneren Angelegenheiten. Auch unter ihnen definiert sich eine klare Hierarchie, aufgeteilt in Diener, auch Laien genannt, Bischöfe und Kardinäle. Bis 1933 gab es auch einen Papst, für dessen Neubesetzung man sich bis heute nicht entscheiden konnte. Dem aufmerksamen Beobachter wird auffallen, dass die höheren Ränge ausschließlich von Männern begleitet werden, obgleich es theoretisch möglich ist, dass diese Ämter auch von Frauen bedient werden können. Doch in Anbetracht, dass bei der Organisation und Besetzung der Ämter die römisch-katholische Kirche als Vorbild dient, fällt dieser Schritt für Frauen ungleich schwerer aus.

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Caodaismus (viet. Ðạo Cao Ðài)

Diese synkretistische Religion ist ausschließlich im Süden Vietnams verbreitet und bietet heute etwa 1,5 Millionen Anhängern ein Hort des seelischen Friedens.

Zu Beginn der 20ziger Jahre des 20. Jahrhunderts erschien dem Spirituellen Ngo Van Chieu (1878 – 1932) ein höheres Wesen, dem Cao Dai. Daraufhin begründete er 1926 diese Religionsgemeinschaft. Es entstand der Caodaismus, welche auf der Idee einer Ideal-Religion basiert. Der Caodaismus vereint die großen Lehren des Ostens und des Westens. Dazu zählen die drei historischen Offenbarungen des Göttlichen; Moses und die mythischen Gestallten des Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus. Der Cao Dai vereint die Gestalten Jesus, Siddharta Gautama, Lao Dse und Konfuzius. Damit sehen die Caodaiisten den Cao Dai als höchste Gottheit auf Erden an, welcher die gesamte Menschheit zur Erlösung führen wird.

Bis zum zweiten Weltkrieg gewann die Gemeinschaft im antifranzösischen Widerstand viele Gläubige. Sie bewaffnete sich und paktierte offenkundig mit den Japaner. Daraufhin entschlossen sich die Franzosen, die damaligen Besatzer Vietnams, zum Verbot der Sekte. Die Caodaiisten beherrschten mit ihrer schlagkräftigen Privatarmee weite Teile des Südens. Sie bildeten einen Staat im Staat. Erst unter dem Druck der Amerikaner verzichteten sie auf ihre Gebietsansprüche und wurden somit bald aus dem politischen leben gedrängt.


Vietnam - Cao Dai Tempelweiterführende Reiseinformationen zu Vietnam


Unterkunft

Hoa Binh Hotel, 210 30 Thang 4, Tay Ninh, 40 Doppelbettzimmer, pro Person pro Nacht 260000 Dong

Adresse

Cao Dai, Tay Ninh

Öffnungszeiten

Das Hauptgebäude: Zu den Zeremonien 6, 12, 18 und 24 Uhr für eine Stunde. Anlage: zwischen 6 und 19 Uhr

Preise

frei, an den Ein- und Ausgängen stehen Spendenurnen. Eine Spende wird erwartet.

Anreise

Auto: 96 Kilometer entfernt von Saigon, Richtung Tay Ninh auf der Nationalstrasse 22, zehn Kilometer vor Tay Ninh geht ein Abzweig zum Long-Hoa-Markt von da sind es noch zwei Kilometer bis zum Heiligen Stuhl

Bus: vom Le Dai Hanh Busbahnhof in Saigon nach Tay Ninh Busbahnhof per Xe Om oder zu Fuß zum vier Kilometer entfernten Heiligen Stuhl.

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weiterführende Begriffe und Bücher zum Caodaismus

Bücher:

  • Ralph B. Smith: An Introduction to Caodaism, 2004 (engl.)
  • Nguyễn Phan Long: Rede »Caodaïsme – Le mysticisme du Dieu Cao-Dai«, 1937 gehalten anlässlich der Einweihung des Caodai-Tempels Trung-Thành in Ðà Năñg, herausgegeben als Broschüre vom Tempel des Cao Dai Montréal (Québec), Canada (fr.)
  • G. Gobron : Histoire du Caodaïsme, Paris, 1948 (fr.)
  • Đồng Tân: Lịch sử Đạo Cao Đài; Saigon, 1967 (viet., fr.)

Buddhismus (viet. đạo Phật): Die Vietnamesen hatten lange einen Hang zum Buddhismus. Dieser wurde ab dem 16. Jahrhundert durch den Konfuzianismus abgelöst. Ganz verloren hat er sich nicht. Um staatlich Doktrinen zu entgehen, vietnamesierte man den Buddhismus, so verehrt man die Ahnen, Naturgötter und pflegt daoistischen Kulte und mischt sie mit Weisheiten des Konfuzius. Weitläufig spricht man in Vietnam vom Volksbuddhismus.

Cao Ðài: bedeutet »höchster Palast«, siehe Caodaismus.

Cao-Ðài-Tien-Ông: wörtlich aus dem viet. »hoher Turm« oder »hoher Palast«; Tien wird im Allgemeinen für unsterblich genutzt, ein Caodaist übersetzt ihn auch mit »Geist«, ông viet. »Herr«

Di Lac: dicker, lachender Buddha, stellt einen Mönch aus dem 10. Jahrhundert dar. Der Buddha der Zukunft.

Konfuzius (vermutlich von 551 v. Chr. bis 479 v. Chr., chinesisch 孔子): chinesischer Philosoph zur Zeit der Östlichen Zhou-Dynastie (722 v. Chr. – 221 v. Chr.). Seine Lehren galten der menschlichen Ordnung, wobei er das Ideal in einem moralisch makellosem Mensch sah. Diesen Weg dahin suchte er vor allem in der Bildung, gleichfalls auch in gegenseitiger Achtung vor jedem Menschen und der Ahnenverehrung. vgl. Annping Chin: Konfuzius – Geschichte seines Lebens, Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag, Berlin, 2009 und Konfuzius: Schul- und Hausgespräche, übersetzt und kommentiert von Wolfgang Kubin, Herder Verlag, 2016

Lao Dse (vermutlich 6. Jh. V. Chr., chinesisch 老子, auch Laotse, Lao Tse, Laodse, Laozi): Begründer des Daoismus (s. d.). Nach einer Legende wird ihm das Werk Dàodéjīng (Tao Te King, Tao Te Ching) zugeschrieben, welches erst durch den Han-Kaiser Jing (157 v. Chr. – 141 v. Chr.) zusammengestellt wurde.

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Lê Văn Trung (1876 – 1934): Giáo Tông

Ngô Văn Chiêu (1878 – 1932, auch Ngô Minh Chiêu): Gründer des Cao Ðại

Nguyễn Ngoc Tuong (1881 – 1951): wichtige Persönlichkeit im Caodaismus

Nguyễn Phan Long (1889 – 1960): geweihter Bischof des Caodaismus, Chefredakteur der Zeitschrift »La Tribune Indochinoise«, 2. Premierminister der Republik Vietnam

Synkretismus, der: griechisch Verschmelzung, Vermischung von Lehren oder Religionen


Vietnam Reisen

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Vietnam – Reportagen aus dem Land der Drachen und Feen

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Oktober 2017 – ISBN: 978-3-7448-1106-4 – 136 Seiten – 27 s/w Fotos – 7,99 Euro

Vietnam, das kleine China im Süden, das ist eine mehr als tausendjährige Geschichte des Kampfes um seine Freiheit. Vietnam ist eine Entdeckungsreise, extrem lang gezogen und gebirgig von den Landesgrenzen Kambodschas und Laos bis zum Südchinesischen Meer. Dazwischen liegt ein ehrgeiziges Land. Ein Volk der Drachen und Feen, wie sich die Vietnamesen gern sehen. Ein Volk mit scheinbar unerschöpflichem Fleiß ausgestattet, aufbegehrend gegen ihre Besatzer, zugleich anschmiegend an ihre Invasoren.

Der Autor nimmt den Leser mit in das Wechselspiel zwischen Ahnenkult, Sozialismus und Globalisierung. Er taucht ein in das harte Leben der Reisbauern, deren Jugend nach westlichen Werten strebt, genießt die herzliche Gemeinschaft des Dorflebens und unternimmt eine Zugreise von Hanoi nach Saigon im Wiedervereinigungs-Express. Er besucht eine der schillerndsten und ungewöhnlichsten Religionsgemeinschaften der Welt, die Cao Ðài, spricht mit Studenten und Professoren, Reisbauern und einer caodaistischen Seherin.

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