Mongolei – Zu Pferd im Zentral-Aimak

Reisebericht Mongolei: Zu Pferd im Zentral-Aimak

unterwegs im Gorki-Tereldsh Nationalpark

»Als der Himmel die Zeit schuf, hat er davon genug geschaffen.« Mongolisches Sprichwort

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Mongolei: Schildkrötenfelsen im Gorki-Tereldsh Nationalpark

Aza treffe ich in seiner Wohnung. Zweimal bin ich bereits am Eingang des Wohnblockes vorbei gegangen. Es ist gar nicht so einfach die Baga-Toyruu-Straße zu finden, wenn lediglich die Hauptstraßen mit Straßenschildern ausgestattet sind.

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In Ulaanbaatar (Ulan-Bator) studiert er Soziologie. Gern lebt er, in der schönsten Hauptstadt der Welt, wie er sagt. Und er spricht Deutsch, beinah fließend. Aber an seinen freien Tagen zieht er nach draußen, in die Natur. Das bedeutet für ihn der Gorki-Tereldsh Nationalpark, einer der ältesten Naturschutzgebiete unserer Erde. Und dorthin wird er mich entführen.

Die Pferde hat Aza schon gestern besorgt. Dazu für sich einen hoch geschnittenen Sattel aus Holz und für mich einen Russischen. »Bei unseren Pferden brauchst du keine Leiter zum Aufsitzen«, meint er.

»Tschuk, Tschuk«, zischt es durch unsere Lippen. Wir verlassen die Hauptstadt. Die asphaltierten Straßen werden zu Staubpisten, und die Autos immer seltener.

Den bequemsten, asphaltierten Weg haben wir nicht gewählt. Die Siedlungen, anfangs noch Vororte Ulaanbaatars am nördlichen Rand des Nationalparks sind unser Ziel. Hunde rennen mit lärmendem Gebell davon. Sie jagen einem eiligen Reiter hinterher. Früh lernen die Mongolen jene Kunst und man erzählt, sie könnten früher reiten, als laufen.

Gorki-Tereldsh, Nationalpark, Mongolei, Zentralasien, Chentij-Gebirge, Nomaden, Steppe, Grassteppe, Berge, Haus, Ger, JurteAls uns die Mittagssonne in die Nacken drückt, werden wir zum Tee eingeladen. Das Ger ist geräumig. Zwei Frauen melken die Schafe. Eine andere dirigiert uns auf zwei Sitzkissen und schenkt reichlich ein. Auf dem besten Platz, dort wo die Sonne ihre Strahlen durch den kaum 1,50 m hohen Eingang wirft, sitzt eine alte Frau. Sie raucht ein übel riechendes Kraut, aus ihrer selbst aus Zeitungspapier gedrehten Zigarette.

Einige Kilometer entfernt stoßen wir auf die Männer. Sie sind für die groben Arbeiten im Nomadenleben zuständig, das Schlachten und Hüten der Rinder und Yaks. Aber auch das Einreiten der Pferde. Die Männer sehen auf, als wir vorbeiziehen, unterbrechen ihre Arbeiten und grüßen.

Bald ist die Anhöhe erreicht. Und wie auf jeder zuvor steht auch hier ein Owoo, die Steinsetzung. Aza steigt vom Pferd, umkreist den Steinhaufen mit den Stöcken in der Mitte und den farbigen, zumeist blauen Tüchern dreimal im Uhrzeigersinn und wirft dabei drei aufgelesene Steinchen auf den Hügel. Dann bin ich an der Reihe, diese Zeremonie der mongolischen Volksreligion, zu vollziehen. Aza ist sichtlich erleichtert.

Der Tuul gol ist einer der längsten Flüsse des Landes. Er entspringt  im Norden des Chentij-Gebirges und ergießt sich in den Orchon. Schafe tränken an seinem Ufer. Auch wir nutzen das klare Wasser für ein Bad. Es ist angenehm kühl. Dort müssen wir durch, wenn wir noch zum Schildkröten-Felsen, der seinen Namen seiner ungewöhnlichen Form verdankt, wollen. Ruhig traben die Pferde. Und Aza hält die Leine zum Packpferd kurz.

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Die Jurte ist massiv und schmuck eingerichtet, mit einem Kühlschrank, einem Fernseher und weiteren Gegenständen, die seine Vorfahren nicht gekannt haben. Aza fühlt sich sofort wieder zu Hause: »selbst wenn der nächste Nachbar 20 km entfernt seine Jurte aufgeschlagen hat. Man kennt sich eben.« Es gibt salzig schmeckenden Tee mit reichlich Ziegenmilch. Bei den Temperaturen von über 30°C, die draußen herrschen, ein angenehmer Durstlöscher.

Ein langer ereignisreicher Tag geistert durch meinen Kopf. Ich werde so schnell nicht einschlafen, obwohl ich müde bin. Anders als Aza, er ist es gewohnt. Kaum hat er seinen Schlafplatz hergerichtet, belebt ein leises Gurgeln durch seinen Mund die Jurte. Er schläft.

Immer wieder zieht es mich in die Mongolei. Ich habe Menschen dort kennen gelernt und durfte sie ein Stück ihres Daseins begleiten.

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Mongolei Gorki-Tereldsh Nationalpark

Worterklärung:

Ger (mong. гэр, türk. yurt »Heim«): Rundzelt der zentralasiatischen Nomaden, Jurte

Owoo: Steinsetzung, alte Kultstätte zu Ehren der Erdgeister oder Berggottheiten auf Bergen und Hügeln oder in freier Steppe.

Ulaanbaatar: von den Europäern beibehaltener Name für ein zwischen 1639-1640 errichtetes Bauwerk für einen hohen Geistlichen (»örgöö«, korrumpiert zu Urga) auf dem Gebiet des heutigen Ulaanbaatar. Der Name wurde später auf die gesamte sich um das Kloster bildende Stadt übertragen. Mongolische Bezeichnungen: 1706-78 yeke chüree »Großkloster«, 1778-1911 yeke chüree qota »Großkloster-Stadt«, 1911-21 neyislel chüree »Hauptstadt-Kloster«. 1924 wurde Urga umbenannt in Ulaanbaatar (mong. Улаанбаатар), »Roter Held«.

 


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Mongolei – Reportagen aus dem Land der Mythen

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Wie sich die nomadische Mongolei zu einem konsumorientierten Land verändert hat, in dem westliche Lebensart mehr zählen als die alten Tugenden. Und warum daran auch der Kult um Dschingis Khan nichts ändert.

»Wenn wir, ein ganzes Volk, in gemeinsamer Anstrengung und gemeinsamem Willen, zusammenkommen, so gibt es nichts auf der Welt, was wir nicht erreichen oder lernen könne.« (Süchbaatar)

… Der Blick durch die Tür ist jeden Tag derselbe. Egal wo ihr Ger in der Gobi gerade steht. Eine Gebirgskette, morgens saftig gelb und mittags, blass gelbbraun, am Abend herrlich rötlich und in der Nacht pechschwarz. Auf der weiten Wüstensteppe gibt es glühende Schicksale, deren Puls die Jahreszeiten und deren Herz die Menschen in den Gers sind. Sie singen, während der Wind über das Land streift, das Lied vom Leben. Mag sein, dass die Wüstensteppe für einen Fremden nur ein karg bewachsener Sandkasten ist, für den Nomaden ist es der Gesang der Düne, der sie glücklich macht.

Februar 2015 – ISBN: 978-3-7347-6312-0 – 120 Seiten – 24 s/w Fotos – 8,99 Euro

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